Tat oder Lüge: Ein Interview

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Der Tenor war am Ende einstimmig: Es handelte sich um eine Lüge

Der Fall eines 13 jährigen Mädchens aus Berlin schlug hohe Wellen, auch außerhalb von Deutschland. Es gab viele widersprüchliche Meldungen, unzählige Gerüchte waren im Umlauf. In der darauf folgenden Meinungsdebatte waren vor allem zwei Seiten präsent – jene, die in dem Fall ihre Meinung vom „vergewaltigenden Flüchtling“ bestätigt sahen, und jene, die dem Mädchen eine bloße Lüge vorwarfen – wie z.B. die Berliner Zeitung, welche nun erleichtert aufatmet. Was dabei nicht erwähnt wird (und bei anderen Zeitungen nur am Rande), ist, das weiterhin wegen schweren Missbrauchs ermittelt wird – allerdings in eine andere Richtung. Mindestens zwei Täter gibt es, mutmaßlich Deutsche mit türkischen Wurzeln – welche nun wirklich nichts mit Flüchtlingen zu tun haben und von denen das Opfer mindestens eine Person kannte.Weil der Medienrummel um den Fall immer unübersichtlicher wird, hat der ukrainische Medienkritiker und Journalist Anatolij Sharij (AS) ein ausführliches Interview mit dem Anwalt der Familie des Mädchens, Alexeij Danckwardt (AD) geführt. Dieses habe ich nun aus dem Russischen übersetzt.

 

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Anatolij Sharij

AS: Zu dem Mädchen, mit dem etwas in Deutschland passiert ist, habe ich keine Ansagen gemacht, keine einzige. Ich habe weder schriftlich noch mündlich ein Statement abgegeben. Ich habe nichts gesagt, weil es mir gleich von Anfang an so vorgekommen ist, dass die ganze Geschichte sehr uneindeutig ist. Mir hat es nicht gefallen, wie in den Medien darüber berichtet wurde – egal von der einen, der anderen oder der dritten Seite aus. Die eine Seite sind die russischen Medien, die andere Seite sind die deutschen Medien und die dritte Seite sind die ukrainischen Medien, welche sich genauso aktiv an dem Medienspektakel beteiligt haben. Mir hat diese Geschichte eindeutig nicht gefallen. Weil die deutschen Ermittlungsbehörden heute gewisse Schlüsse aus dem Fall gezogen haben, bin ich auch zu einem bestimmten Schluss gekommen und habe einen Status auf Facebook veröffentlicht, welcher viele Diskussionen hervorgerufen hat.

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Alexej Danckwardt

 Die Leute schreiben „Na erzähl du doch mal, erzähl du doch mal objektiv darüber!“. Ich denke das objektivste, was man machen kann, ist es mit einem Menschen Kontakt aufzunehmen, der am nächsten an dieser ganzen Geschichte dran ist. Und am nächsten an dieser Geschichte dran ist ohne Zweifel der Anwalt. Das liegt daran, dass weder die Eltern noch das Mädchen selber ansprechbar sind. Man kann kein Interview mit ihnen führen, man kann nicht mit ihnen reden – genauso wenig wie man mit einem Vertreter der Sicherheitsbehörden reden kann. Ermittlungsgeheimnis bleibt nun mal Ermittlungsgeheimnis. Unser heutiger Gesprächspartner ist Alexej Danckwardt. Genau er ist der Anwalt der Familie des Mädchens, und ich denke jetzt werden wir eine maximal objektive Schilderung dessen hören, was passiert ist. Und von meiner Seite grüße ich nochmal die Massenmedien, welche manchmal ein Feuer entfachen und nicht darüber nachdenken, dass sie sich selbst daran verbrennen können.

 

AD: Hallo Anatolij, ich bin froh darüber, Sie kennenlernen zu dürfen.

 

AS: Hallo Alexej!

 

AD: Ich bin sehr froh!

 

AS: Hallo! Ich denke, es gibt niemanden, der näher an dieser Geschichte dran ist – es gibt Verwandte, aber die hat niemand je zu Gesicht bekommen, zumindest ich nicht. Deswegen würde ich gerne von einer Erstquelle wissen, womit alles angefangen hat. Einfach kurz und knapp, weil es schon so viele Fakes zu diesem Thema gibt, dass man es einfach nicht aushält.

 

AD: Es hat damit angefangen, dass das Mädchen nicht nach Hause zurückgekehrt ist. Das sind übrigens sehr strenge Eltern, keine die ihren Kindern alles durchgehen lassen. Die Mutter hängt die ganze Zeit am Telefon und kontrolliert ihre Tochter. Also könnte es sich hier möglicherweise sogar um eine Gegenreaktion handeln, also dass aufgrund dieser Strenge irgendwelche Reaktionen hervorgerufen wurden. Ich meine Verzeihung, aber mit 13 Jahren kann man sein Kind schon etwas weiter von sich weglassen, sozusagen. Aber das ist keine Kritik, ich rede nur über den Fakt, dass die Eltern strenger Natur sind. Also, das Mädchen ist verschwunden und nicht nach Hause zurückgekehrt. Die Mutter hat versucht, sie anzurufen, aber das hat nicht geklappt. Danach haben sie sich an die Polizei gewandt und Zettel aufgehängt. Am nächsten Tag, genauer gesagt 30 Stunden nach dem Verschwinden, ist sie plötzlich aufgetaucht. Vor allem muss man dabei bedenken, wie sie aufgetaucht ist. Etwa die Hälfte ihrer Kleidung hat gefehlt, sie hat ihr Hemd verloren, noch irgendwas hat sie verloren, ein Ring und die Geldbörse waren nicht mehr vorhanden. Sie hat sich an einen Passanten gewandt und ihn gebeten, ihr zu helfen. Dieser hat ihr auch geholfen und sie wurde ins Krankenhaus gebracht, wo ihr medizinische und psychologische Hilfe erwiesen wurde.

 

AS: Entschuldigen Sie, also ist sie einfach direkt irgendwo auf der Straße aufgetaucht?

 

AD: Ja. Das was wir wissen ist, dass sie auf der Straße aufgetaucht ist und sich an den ersten Passanten wandte, den sie traf. Sie wissen ja, in Deutschland ist der Mehrheit sowas nicht egal und er hat ihr geholfen. Und so ist sie sozusagen auf der Bildfläche aufgetaucht. Am ersten Tag hat sie der Polizei erzählt, dass sie nicht freiwillig in ein Auto gestiegen ist, ihr seien die Hände gefesselt und die Augen verbunden worden, danach hätte man sie irgendwohin gefahren. So, mehrere Tage danach hat ein ausführlicheres Gespräch mit ihr stattgefunden, 3 Stunden, ohne Anwesenheit der Eltern. Das ist auch problematisch, aber da muss man erst rausfinden inwieweit dass wirklich nicht korrekt war, was sie gemacht haben - noch ist es zu früh, darüber zu urteilen. Auf jeden Fall hat sie nach diesen 3 Stunden verkündet, dass sie doch freiwillig ins Auto gestiegen sei. Und da war es schon irgendwie klar, dass sie möglicherweise jemanden deckt, so ein Verdacht hat bestanden. Aber dieser Verdacht besteht immer noch, die Ermittlungen laufen nach wie vor. Nach diesem Gespräch ist ein Polizist zu den Eltern gegangen und hat ihnen gesagt: „Eure Tochter ist eine Lügnerin und wir werden die Ermittlungen nicht weiterführen.“ Naja, was würde jedes Elternteil in so einer Situation machen? Natürlich würde man sich aufregen und zur Presse, zu einem Anwalt, zu wem auch immer rennen.

 

AS: Doch woher stammt diese Welle, als plötzlich Leute anfingen mit Plakaten auf den Straßen aufzutauchen? Also ich habe die Eltern nirgendswo gesehen, sie werden nicht gezeigt, genauso wenig wie das Mädchen gezeigt wird, selbst zensiert nicht. Also niemand hat bei ihr ein Interview gemacht, weil das, wie ich das verstehe, einfach nicht möglich ist. Woher kommt dann auf einmal diese Welle? Hat irgendjemand Dokumente bezüglich der Vergewaltigung gesehen, oder wie war das?

 

AD: Nein, die Eltern selbst haben damit nichts zu tun gehabt. Also sie stehen immer noch unter Schock, für sie ist das eine tragische Situation. Lasst uns auf menschlicher Ebene Verständnis für die Eltern haben.

 

AS: Ich verstehe sie, und mehr noch meine ich zu verstehen, dass ihr Mädchen, also dass sie denken, dass sie immer noch ein Kind ist. Da stellt sich die Frage: Ist so etwas das erste Mal mit ihr geschehen oder nicht?

 

AD: So ein Verschwinden gab es jetzt das erste Mal. Ihre Eltern gehen nach wie vor davon aus, dass sie alles über ihr Mädchen wussten und sie ausreichend kontrolliert haben. Sie stehen wirklich unter Schock, sie befinden sich quasi in einer Trance. Sie befinden sich in einer sehr schweren psychischen Situation, der Vater hat sogar Probleme mit der Gesundheit bekommen. Sie befinden sich in einer sehr schweren Situation, glauben Sie mir, für sie ist das jetzt keine sehr leichte Zeit.

 

AS: Alexej, ich glaube Ihnen durchaus. Sagen Sie bitte, nicht genau so eine Situation, aber ist in der Vergangenheit etwas ähnliches mit ihr vorgefallen?

 

AD: So etwas hat man man mir nicht erzählt, dass sie irgendwie mal länger verschwunden gewesen sei.

 

AS: Nein, ich meine - Sie können sagen, dass Sie sowas bestätigen können oder dass Sie sowas nicht bestätigen können. Aber ich meine, im Klartext, hatte das Mädchen früher schon irgendwelchen sexuellen Kontakte? Wir wissen beide, dass das Einverständnis-Alter in Deutschland bei 14 Jahren liegt, vorher zählt es als Pädophilie. Jedoch, wie es mir scheint, muss man Pädophilie und eine Vergewaltigung voneinander trennen.

 

AD: Naja, von der Schwere her ist das eigentlich ein gleichwertiges Verbrechen, Anatolij. Da würde ich jetzt nicht beginnen zu sagen, „nur“ weil das Pädophilie ist, ist das alles nicht so schlimm.

 

AS: Nein, ich rede nicht davon, dass es nicht schlimm ist, ich rede davon, dass es immerhin ein Einverständnis gibt. Also, stellen wir uns mal folgendes vor: Es gibt ein Mädchen, dass theoretisch in das Auto zu bekannten Menschen steigt, mit denen so was nicht das erste Mal passiert und danach aus irgendwelchen persönlichen Gründen sagt, dass es sich explizit um eine Vergewaltigung gehandelt hat. Denn die Medien haben explizit über eine Vergewaltigung geredet. Es wäre 30 Stunden lang vergewaltigt worden, 28 Personen wären beteiligt gewesen – naja Sie haben das alles selber gesehen und wissen es natürlich.

 

AD: Ja, die Medien haben gelogen, sie haben gelogen. Es waren sowieso schon viele Gerüchte im Umlauf, bevor die Medien davon erfahren haben. Kennen Sie das Märchen von Hans Christian Andersen, wo dem Huhn eine Feder abgefallen ist?

 

AS: Ja, ja.

 

AD: Naja, und am Ende hieß es, es hätte sich vollkommen nackt gerupft. Ja, die Medien haben diese Geschichte natürlich sehr aufgeblasen. Aber verstehen Sie eins, die Verwandten von Lisa, nicht ihre Eltern, sondern die Verwandten, haben sich aus dem Grund an die Medien gewandt, dass der Polizist gerade heraus gesagt hat, dass sie nicht weiter ermitteln werden. Was sollten sie schon tun? Sie haben so gehandelt, wie es wohl jeder Mensch in so einer Situation getan hätte.

 

AS: Ich verstehe sie nur zu gut. Die Medien haben ihnen einen „Bärendienst“ erwiesen, richtig?

 

AD: Absolut. Naja, einerseits waren die Eltern und die Verwandten froh darüber, dass sich endlich jemand der Sache angenommen hatte. Aber jetzt, wo wir sehen, wie das aufgeblasen wurde, kann man das natürlich einen „Bärendienst“ nennen. Jedoch gebe ich die Hauptschuld immer noch diesem Polizisten. So etwas sagt man einfach nicht zu Menschen. Selbst wenn du denkst, dass da jemand im Unrecht ist und du belogen wirst – gebe den Eltern das irgendwie anders zu Verstehen. Vor allem, sie haben die Ermittlungen fortgeführt – zur Verteidigung der Deutschen Polizei muss man sagen, dass sie nicht mit den Ermittlungen aufgehört haben. Aber so eine Äußerung haben sie gemacht. Wieso, ist unklar.

 

AS: Haben die Ermittler mittlerweile irgendwelche Informationen über frühere sexuelle Kontakte von Lisa gefunden?

 

AD: Völlig richtig. Wir wissen jetzt praktisch sicher, dass das Mädchen im späten Herbst letzten Jahres Opfer von Pädophilie geworden ist. Verzeihung, anders kann ich das nicht nennen. Einer der Verbrecher, wir brauchen nicht sagen wer er ist, das ist nicht wichtig, ein Verbrecher ist ein Verbrecher und kennt keine Nationalität, einer dieser Verbrecher war so unvorsichtig, die Tat auf Video aufzuzeichnen. Und diese Videokamera hat die Polizei bei ihm gefunden. Die Polizei hat hier also im Prinzip gute Arbeit geleistet. Es gibt also feste Beweise dieses Falles im Herbst. Aber was innerhalb dieser 30 Stunden passiert ist, wissen wir immer noch nicht. Es gibt diesen Fall im Herbst, welcher praktisch bewiesen ist und es gibt diesen Fall im Januar, bei dem die Polizei heute verkündet hat, dass dort nichts gewesen sei. Sie war bei einem 19 jährigen Kerl, hat bei ihm im Zimmer geschlafen, aber es ist nichts passiert. Doch woher haben sie das her? Von den Aussagen des 19 jährigen Kerls und seiner Mutter. Zuerst einmal, für diesen Kerl gilt auf jeden Fall die Unschuldsvermutung.

 

AS: Natürlich, ja.

 

AD: Jetzt mal rein theoretisch. Wenn wir jedes Ermittlungsverfahren aufgrund der Aussagen des Verdächtigen und seiner Mutter abschließen würden, gäbe es gar keine Ermittlungsverfahren mehr. Oder nicht?

 

AS: Doch, ja.

 

AD: So. Deswegen muss jetzt der nächste Schritt sein, dass die Polizei ein rechtspsychologisches Gutachten zum Zustand des Mädchens durchführt und dieser Experte, diese Psychologe wird dann sagen, was Wahrheit ist und was nicht.

 

AS: Entschuldigen Sie, das ist nur ein rechtspsychologisches Gutachten, aber gab es auch ein rechtsmedizinisches Gutachten, als man sie gefunden hat?

 

AD: Ja, am ersten Tag wurde sie untersucht und vom ersten Tag an stand fest, dass sie immer noch Jungfrau ist. Aber wir wissen beide sehr genau, dass es auch andere Formen von Sex gibt. Weiterhin, nicht bei jedem vaginalen Kontakt reißt das Jungfernhäutchen, das ist ein Mythos. Es bestätigt keinen vaginalen Kontakt, aber schließt ihn auch nicht aus. Davon abgesehen wurden Hämatome bei ihr gefunden. Das sind zwei objektive Fakten, über die wir bis zum heutigen Tag Bescheid wissen. Alles andere muss durch ein rechtspsychologisches Gutachten ermittelt werden. Der Experte arbeitet auf den Grundlagen strenger Kriterien, weil die Unschuldsvermutung gilt. Entweder wird er uns mitteilen, dass sie nicht die Wahrheit sagt bezüglich dieser 30 Stunden, dann ist dieser junge Mann eindeutig unschuldig. Oder aber, er sagt dass es die Wahrheit ist – dann wird das Gericht entscheiden, was weiter passiert.

 

AS: Sind Sie als Anwalt bereit zu akzeptieren, dass sie von Anfang an nicht ganz die Wahrheit gesagt hat? Denn wenn ich das richtig verstehe, zeichnet sich das schon jetzt ab.

 

AD: Ich bin bereit, welche Wahrheit auch immer zu akzeptieren. Aber lasst uns eins verstehen – es ist schon ein Fakt, dass das Mädchen letzten Herbst ein Opfer von Pädophilie geworden ist. Und dementsprechend muss man sie als ein Opfer eines schweren Verbrechens behandeln. Bei den Opfern von Verbrechen solcher Art arbeiten später rein psychologisch verschiedene Mechanismen, deswegen können wir noch nicht einmal sagen, dass es sich um eine Lüge handelt, das wäre politisch nicht korrekt. Ein Mensch ist traumatisiert nach so etwas, eindeutig traumatisiert – egal wer das Opfer ist. Und dann fangen leider so Geschichten an.

 

AS: Also kann man sagen, dass sie aufgrund ihrer früheren sexuellen Kontakte nicht die Wahrheit gesagt hat, als sie behauptete, dass sie von Unbekannten in einem Auto verschleppt wurde? Sie kannte ja, was schon klar ist, mindestens eine der Personen.

 

AD: Das war einfach eine Szene aus einem Film, die sie dort beschrieben hat. Hier gibt es einen ein wenig anderen psychologischen Mechanismus, der Mensch versucht sich sozusagen zu rechtfertigen. Sie wusste sehr genau, dass ihre Eltern ihr nicht erlaubt hatten, sich in Autos zu fremden Leuten zu setzen. Deswegen hatte sie natürlich Angst, dass ihre Eltern ihr deswegen Prügel verpassen würden – weil sie sich eben freiwillig ins Auto gesetzt hatte.

 

AS: Nun ja, man kann sie verstehen. Ich persönlich bin der Meinung, dass man eher die Massenmedien nicht verstehen kann. Woher zum Beispiel kam die Information, dass das explizit Flüchtlinge waren?

 

AD: Keine Ahnung, das weiß ich immer noch nicht. Am wahrscheinlichsten ist, dass Nazis dieses Gerücht gestreut haben.

 

AS: Pegida, ja?

 

AD: Nein, NPD, also direkt die radikalen Faschisten und Nazis. Gut, sie klagen mich am Ende noch vor Gericht an, dass ich sie Nazis genannt habe. Auf jeden Fall NPD.

 

AS: 'lacht' Lassen Sie mich das Wort rausschneiden, damit sie Sie nicht vor Gericht anklagen!

 

AD: Schneiden Sie's nicht raus, sollen sie ruhig klagen. Auf jeden Fall ist es die rechtsradikalste Partei Deutschlands. Leider ist es passiert, dass sich eine Cousine in ihrer Verzweiflung an sie gewandt hat, niemand sonst hat sich für den Fall interessiert. Sie ist bei ihnen auf einer Demonstration aufgetreten, aber hat auf dieser auch nichts von Flüchtlingen gesagt, sie hat einfach die Beschreibungen wiederholt, die das Opfer genannt hatte. Und die NPD hat dann Flüchtlinge daraus gemacht.

 

AS: Und wie wir wissen, haben die Massenmedien das dann mit Vergnügen aufgenommen.

 

AD: XX hat auch nichts von Flüchtlingen gesagt, er hat von Migranten geredet. Ich bin übrigens auch ein Migrant. Das ist ein sehr breiter Begriff. Ich rufe einfach nur zu einem auf: Wer auch immer das gewesen ist, was auch auch immer wo passiert ist – wir wissen, das in Köln etwas passiert ist – wir selber wollen auch nicht, dass aufgrund einzelner Individuen krimineller Art wir alle abgeurteilt werden.

 

AS: Ja, stimmt.

 

AD: Deswegen lasst auch uns niemanden aburteilen. Das ist mein Aufruf an alle, erstens niemals voreilige Schlüsse zu ziehen – den heutigen Tag übrigens eingeschlossen. Und zweitens, diese Akzeptanz für Nationalisten - es ist etwas passiert, lasst uns sofort zu denen rennen - das ist auch nicht in Ordnung.

 

AS: Ja, das ist selbstverständlich. Ohne irgendwelche Namen zu nennen, wie schätzen Sie die Arbeit der Massenmedien ein, die diese Geschichte genau so gezeigt haben? Das ist natürlich kein gekreuzigter Junge 2, auf keinen Fall, weil hier ein echter Fakt gegeben ist. Aber aus den Massenmedien lässt sich herauslesen, dass man über diese Geschichte noch sehr lange berichten wird, bis der ganze Dreck aus ihr herausgepresst ist. Wie würden Sie das beurteilen?

 

AD: Verschieden, REN TV gebe ich eine 3 (entspricht auch einer deutschen 3), dem Journalisten Iwan Blagoj eine 4- (entspricht einer deutschen 2 oder 3). und eine 2 (entspricht einer deutschen 5) gebe ich den deutschen Medien. Die russischen Medien zeigen zumindestens alles was ich sage, ohne irgendwie dran herumzuschneiden. REN TV jedoch zum Beispiel - auch wenn ich sage, dass es sich nicht um eine Vergewaltigung sondern um Pädophilie handelt – sie strahlen meine Worte zwar vollständig aus, aber im Rahmen drumherum steht immer noch Vergewaltigung. Das ist nicht professionell. Deswegen ein Pol. Und die deutschen Medien sind noch schlimmer, sie zitieren meine Worte nicht vollständig, sondern verdrehen sie bis zu einer bestimmten Ebene. Achten sie nur mal darauf, was für eine Hetze hier gerade gegen die Familie abläuft. Die Betroffene wird als Prostituierte beschimpft, ihre Eltern als Nazis, ich auch als Nazi, weil ich „Nazis verteidige“.

 

AS: Naja, es könnte ja auch sein, dass es nicht so eine Hetze geben würde, wenn es nicht so eine Herangehensweise und solche Demonstrationen gegeben hätte. Ich habe diese Demos gesehen, das waren echte, oder? Das war doch kein Fake?

 

AD: Ja, das waren echte Demonstrationen. Wissen Sie, ich will die deutschen Medien nicht rechtfertigen, sie sind für mich immer noch am schlimmsten. Denn, wie war das im Film „Klau nicht!“: „Wenn du provoziert wirst, lass dich nicht provozieren. Bleib professionell.“ Und das machen sie nicht. Also ist meine Meinung über die deutschen Medien schlechter als über eure in der Ukraine.

 

AS: Ich habe verstanden. Und jeder bleibt bei seiner Meinung. Vielen Dank, ich hoffe wir konnten die Situation ein wenig beleuchten, weil, wie Sie gesehen haben, ich heute mit ein paar Leuten aneinandergeraten bin. Ich werde auch keine voreiligen Schlüsse ziehen, aber die Geschichte ist natürlich nicht so eindeutig, wie sie die Medien dargestellt haben.

 

AD: Anatolij, Sie sind ein guter und professioneller Journalist, ich vertrauen Ihnen vollstens und deswegen habe ich mich per Facebook an Sie gewandt, damit Sie keine voreiligen Schlüsse ziehen. Wenn ich Sie nicht für so professionell halten würde, hätte ich Ihnen gar nicht erst geschrieben.

 

AS: Ein großes Dankeschön!

 

AD: Vielen Dank Ihnen, für alles was Sie machen.

 

Wie nun möglicherweise jemand verwundert feststellen mag: Verbrechen können auch ohne Flüchtlinge passieren.

 

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