Wieso Patriotismus keine Untat ist

 

In Deutschland gewinnt die Ansicht, dass Patriotismus etwas Verwerfliches sei, immer mehr an Bedeutung. Einst war diese Denkweise nur relativ kleinen Gruppen von Linksradikalen vorbehalten. Die Fäuste geballt, stand man damals neben brennenden Mülltonnen, mit zornigen Blicken die grün gekleideten Büttel des Staates strafend. Heute verlegt sich dieselbe Denkweise zunehmend in die gut geheizten Wohnungen junger mittelständischer Bürger, Studenten und auch Wissenschaftler.

 

 

 

Jemand fragt sich nun vielleicht: „Wieso eigentlich?“

 

 

 

Die Gleichung hierbei ist einfach. Patriotismus verursache durch die Lobpreisung des „eigenen“ Landes automatisch die Herabstufung von anderen Nationalitäten. So entstehe Nationalismus, welcher wiederum die Voraussetzung für menschenverachtende Systeme wie den Nationalsozialismus sei. Kurz gesagt: Patriotismus = Rassismus.

 

 

Doch geht diese so offensichtlich scheinende Rechnung wirklich auf? Dafür müssen wir uns im Klaren darüber sein, was Patriotismus überhaupt ist. Zunächst bedeutet es die Zuneigung zum jeweiligen Herkunftsland und/oder Volk eines Menschen. Diese Zuneigung kann sich sehr unterschiedlich ausdrücken. Eine häufige Form ist der „Stolz“ auf das eigene Land. Kritiker bemängeln hierbei, dass niemand darüber entscheiden könne, wo er oder sie geboren sei. Es wäre unmoralisch, auf etwas stolz zu sein, das man sich nicht selbst erarbeitet habe. Meiner Meinung nach sollte man Stolz allgemein mit Vorsicht behandeln, da er nicht nur in Länderfragen zur Überheblichkeit verleitet. Aber davon abgesehen stimme ich diesem Vorwurf zu.

 

 

 

Jedoch vergessen die Verfechter eines „Antipatriotismus“ einige Dinge. Zum einen: Trotz seiner Häufigkeit ist diese „stolze“ Form der „Vaterlandsliebe“ nicht die einzige Art des Ausdrucks von Patriotismus. Dazu reicht es auch schon, sein Herkunftsland einfach nur zu lieben. Oder sich „das beste“ für seine jeweilige Nation zu wünschen. Dafür braucht man weder Stolz, noch Nationalismus. Zum anderen: Selbst wenn die oben genannte „nationalistische Gleichung“ für manche Menschen zutrifft, kann man dies nicht einfach auf alle Individuen übertragen, die Sympathien gegenüber ihrer Heimat hegen. Anderenfalls müsste man auch den Islamischen Glauben mit aller Entschiedenheit bekämpfen, da dieser die Voraussetzung für islamistischen Terrorismus ist. Und genau solche Vorurteile sind es doch, gegen die die „antipatriotische Bewegung“ meistens zu Felde zieht.

 

 

Auch verwechseln manche Personen Vaterlandsliebe mit absoluter Staatshörigkeit. Aber wer sagt, dass die Liebe zu einem Land auch die Liebe zu jeder ihrer staatlichen Institutionen beinhaltet? Für jeden Menschen bedeutet „sein“ Land etwas anderes. Viele Leute denken weder an ihren Präsidenten, noch an ihr Militär, wenn sie über die Vorzüge ihres Herkunftslandes schwadronieren. Und für mich persönlich macht es einen „guten Patrioten“ aus, wenn er auch auf die Missstände eines Landes, unter anderem staatlich verursachte, aufmerksam macht. Oder wäre jemand ein guter Vater, wenn er einfach aus dem Zimmer geht, nachdem er sein 4-jähriges Kind mit einem Feuerzeug erwischt hat? Ohne Kritik und Opposition kann sich ein Staat nicht weiterentwickeln. Gegnerschaft zu etwas muss nicht auf Hass begründet sein.

 

 

Ein Beispiel für „antirassistischen Patriotismus“ findet sich in Russland. Wie in Deutschland gibt es auch dort sogenannte „Antifa-Gruppen“, welche sich in Tradition der „Antifaschistischen Aktion“ der 1920er Jahre sehen und als ihr Ziel die Bekämpfung von Neonazis und deren Gedankengut angeben. Die russische Variante dieser losen linken Bewegung hat deutlich weniger Einfluss auf das öffentliche Leben, als ihr großer deutscher Bruder. Dass es sie in einem Land mit einer dermaßen starken rechtsextremen Szene wie in Russland trotzdem noch gibt, verdanken sie aber u. a. ausgerechnet einer Sache, die sie vollkommen anders angehen als ihre erfolgreichen Kollegen aus dem Westen: Das Verhältnis zum Patriotismus. Während manche deutsche „Antifaschisten“ sich dadurch auszeichnen, zu Fußball-WM Zeiten Menschen unter Androhung von Gewalt ihre schwarz-rot-goldenen Fan-Utensilien zu entreißen, präsentiert sich der östliche Gegenpart mit russischen Flaggen und Schriftzügen wie „100% patriotisch – 100% antirassistisch“. In der linken Szene der BRD undenkbar.

 

Dabei hat die russische Antifa-Bewegung nur eine Einsicht gewonnen, die jener in Deutschland bislang verwehrt blieb: Das vehemente Bekämpfen von Patriotismus und Gleichsetzen desselben mit Rassismus stärkt nur die rechtsextreme Seite. Nicht alle, aber viele Menschen haben nun mal das Bedürfnis, positive Emotionen an ihren Heimatort zu knüpfen. Wer das ignoriert, läuft Gefahr, diese Leute in die Arme von Rechtsradikalen zu treiben. Mit ihrem Nationalstolz ködern sie Menschen, die ihr Land mögen – nur um sie daraufhin mit ihrer menschenfeindlichen Ideologie vollzupumpen. Und so kommt es, dass in Deutschland am Ende tatsächlich viele Menschen, die sich als „Patrioten“ bezeichnen, auch rassistisch veranlagt sind. Dies dient den Vertretern der antipatriotischen Fraktion als erneuter Beweis für ihre Thesen. Darüber, dass ihre eigene Einstellung damit zusammenhängen könnte, denken sie natürlich nicht nach.

 

 

 

Um Leute von der Schädlichkeit rassistischen Gedankenguts zu überzeugen, braucht es keine Bekämpfung von Heimatliebe. Denn diese ist, wie weiter oben dargelegt, nun mal nicht per se fremdenfeindlich.

 

 

 

Die russische Antifa Hardcore/Rap Band „Moscow Death Brigade“ Anfang 2015 zu den Vorwürfen deutscher Antifas, nationalistisches Gedankengut zu verbreiten:

 

 

„At some point we decided to turn the situation around and pull a risky trick: take the patriotism away from Nazis, put our own meaning into it and use it against them. We started to use patriotic rhetoric trying to explain people that Russia was a multinational country, a home to peoples of various ethnic origins, religions. In our words patriotism was not about hating foreigners and loving the state and the government, but the appreciation for one’s roots and culture. And for many Russians those roots include Multiculturalism and victory over Hitler. Thus we managed to create a positive image of an Antifascist, and show Neo-Nazis as the real enemies of Russian society and culture“

 

 

 

Patriotismus selber ist nicht das Problem. Das Problem ist, wie man mit ihm umgeht – und das gilt für „Anhänger“ der Idee gleichermaßen wie auch für ihre „Gegner“. Im Endeffekt ist es unwesentlich, wie groß die Ab- oder Zuneigung einer Person gegenüber seinem Herkunftsland ist – Hauptsache diese Einstellung verursacht keinen Hass gegenüber anderen Menschen.

 


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